Speisekarten-Design

Schriftarten für die Speisekarte

Die Schrift ist das Erste, was deine Speisekarte über dich sagt, und sollte das Letzte sein, was am Tisch Probleme macht. Größen, Kombinationen und die Details, die man sieht, mit Beispielen aus den Designs von MenuDesign.

4 Min. LesezeitVeröffentlicht am

Oder Text einfügen
Illustration zum Ratgeber: Schriftarten für die Speisekarte

Größen, die man am Tisch lesen kann

Für den Text der Gerichte arbeitest du mit 9 bis 11 Punkt. Die Namen etwas größer oder fett, die Beschreibungen höchstens einen Punkt kleiner. Gehst du darunter, wird die Karte bei gedämpftem Licht und ohne Brille zum Sehtest.

Vorsicht: Dieselbe Zahl ergibt nicht in jeder Schrift dieselbe Größe. Entscheidend ist die Höhe der Kleinbuchstaben (die „x-Höhe“). Deshalb startet Sobremesa in Cormorant Garamond bei 11,4 pt, während sich Editorial in Inter schon mit 9 pt genauso gut liest. Und die sehr breite Space Mono von Ticket funktioniert mit 8,6.

Drei weitere Details:

  • Großzügiger Zeilenabstand, etwa das 1,2- bis 1,4-Fache der Schriftgröße.
  • Achte auf sehr dünne Striche. Kontrastreiche Schriften wie die Bodoni von Milano sind wunderschön, brauchen aber eine ordentliche Größe und gutes Licht.
  • Leichte Schnitte nur für große Überschriften. Text in einem dünnen Schnitt auf cremefarbenem Papier verschwindet auf einem Tisch mit Kerzenlicht.

Eine Schrift für Überschriften, eine für den Text

Die klassische Formel: eine Schrift mit Charakter für den Namen des Lokals und die Rubriken und eine sehr gut lesbare für die Gerichte. Paare funktionieren, wenn sie sich in einem Punkt unterscheiden (Serifenschrift mit serifenloser, sehr fetter Schnitt mit normalem), aber ähnliche Proportionen haben.

Einige Kombinationen aus MenuDesign:

Design Überschriften Text Charakter
Brasserie Playfair Display Source Serif 4 Klassisches Grand Café
Editorial Instrument Serif Inter Magazin
Trattoria Playfair Display Josefin Sans Italienische Hausmannskost
Cartel Anton Archivo Plakat, Tapasbar
Brasa Rye Bitter Steakhouse
Botánico Gloock Karla Garten, pflanzliche Küche

Die andere Möglichkeit ist eine einzige Familie, bei der du mit Schnitten und Kursive spielst: Manrope in Autor, Work Sans in Nórdico, Inter Tight in Suizo oder Bodoni Moda in Milano. Das ist der sicherste Weg, damit alles zusammenpasst.

Dekorative Schriften gehören nur in kurze Texte. Die Fraktur von Gaceta (UnifrakturMaguntia) ist perfekt für einen Zeitungskopf oder den Namen eines Brauhauses und unmöglich in einer zweizeiligen Beschreibung. Bei Handschriften ist es dasselbe: Libreta nutzt Gochi Hand und Kalam mit dem Text in 10 pt, damit die Heftschrift lesbar bleibt.

Mit oder ohne Serifen für dein Lokal

Regeln gibt es keine, aber Konventionen, die Gäste wiedererkennen:

Lokal Funktioniert meist Beispiel
Gehobene Küche, Degustationsmenü Klassische Serifenschrift oder eine sehr klare serifenlose, eine Familie und viel Raum Sobremesa, Autor
Bistro, Brasserie, Wirtshaus, Weinbar Serifenschriften mit Tradition Brasserie, Bodega, Pub
Bar, Imbiss, Burgerladen Fette, schmale Überschriften mit serifenlosem Text Cartel
Café, Brunch, gesunde Küche Freundliche serifenlose oder weiche Serifenschrift Nórdico, Botánico

Ziffern für die Preise

Zahlen sind die halbe Karte und verdienen Aufmerksamkeit:

  • Tabellenziffern: Jede Ziffer ist gleich breit, deshalb stehen die Preise sauber in einer Spalte (9,50 genau über 12,00). MenuDesign nutzt sie standardmäßig für Preise, und nur so kann Suizo sie so streng rechtsbündig ausrichten.
  • Mediävalziffern: Sie steigen und fallen wie Kleinbuchstaben und fügen sich in den Text ein. Sobremesa und Bodega nutzen sie für die Preise.
  • Ein Format auf der ganzen Karte: entweder 9,50 und 12,00 oder 9,50 und 12.

Nicht jede Schrift hat diese Varianten. Wenn du eine andere Schrift wählst, prüf vor dem Druck, wie die Preise aussehen.

Kursive und Kapitälchen

  • Kursiv für Beschreibungen, Mengen („6 Stück“, „für 2 Personen“) oder Fußnoten. Wähl Schriften mit echter Kursive, nicht per Software schräg gestellten Text.
  • Kapitälchen (Großbuchstaben in der Höhe der Kleinbuchstaben) für Rubriken, Lagen oder Weingüter. Sie wirken klassisch, ohne zu schreien; Bodega nutzt sie für die Rubrikenüberschriften.
  • Keine Absätze in Großbuchstaben. Sie sind schwer zu lesen. Steht eine Überschrift in Versalien, sperr sie ein wenig.

Umlaute und Sonderzeichen

Eine deutsche Speisekarte braucht vor allem ä, ö, ü und ß, und sie leiht sich viele Wörter: Café, Crème brûlée, Jalapeño, Rosé, Purée, Gewürztraminer, Côtes du Rhône. Wenn du die Karte übersetzt, kommen ç, ñ, à oder œ dazu. Google Fonts mit dem lateinischen Zeichensatz enthalten sie in der Regel; Ärger gibt es bei dekorativen Schriften von irgendwelchen Websites, denen gern das ß oder ein Umlaut fehlt. Fehlt ein Zeichen, ersetzt der Computer es durch eine andere Schrift, und das sieht man sofort.

Ein schneller Test, bevor du dich entscheidest: Tipp „Crème brûlée, Jalapeño-Poppers, Rosé, Grießnockerl – 12,50 € / CHF 14.50“ und prüf, ob alles in derselben Schrift erscheint. Für die Schweiz gilt: Dort schreibt man ss statt ß, und Frankenpreise stehen meist mit Punkt (CHF 14.50).

Kostenlose Schriften und Lizenzen

Laut den FAQ von Google Fonts dürfen die Schriften in kommerziellen Projekten verwendet werden, auch im Druck. Die meisten stehen unter der SIL Open Font License, einige unter Apache. Vorsicht bei Seiten, die Schriften „kostenlos für den privaten Gebrauch“ anbieten: Eine Speisekarte ist eine gewerbliche Nutzung.

Alle Schriften in MenuDesign sind Open Source und im Tool enthalten, deshalb sieht das PDF auf jedem Computer gleich aus.

Teste, bevor du druckst

Druck eine Seite in Originalgröße (100 %), ohne „An Seite anpassen“, und lies sie an einem deiner Tische, auf Armlänge und in dem Licht, in dem du servierst. Prüf, ob man die 1 nicht mit der 7 und die 6 nicht mit der 8 verwechseln kann.

In MenuDesign bringt jedes der 50 Speisekarten-Designs eine getestete Schriftkombination mit. Wenn du sie ändern willst, wählst du im Bereich „Design“ die Schriften für Überschriften und Text, und im Bereich „Format“ stellst du die Größe automatisch oder von Hand ein. Fang im Editor an.

Häufige Fragen

Welche Schriftgröße braucht eine Speisekarte?

Für den Text der Gerichte zwischen 9 und 11 Punkt auf Papier, je nach Schrift: Schriften mit kleinen Kleinbuchstaben, wie viele Garamonds, brauchen das obere Ende. Die Namen der Gerichte etwas größer oder fett. Druck eine Probe und lies sie im Licht deines Lokals.

Wie viele Schriften darf ich auf einer Speisekarte verwenden?

Höchstens zwei: eine für die Überschriften und eine für den Text. Oder eine einzige Familie, deren Schnitte und Kursive die Hierarchie aufbauen.

Darf ich Google Fonts auf einer gedruckten Speisekarte verwenden?

Ja. Laut Google dürfen die Schriften in kommerziellen Projekten verwendet werden, auch im Druck. Die meisten stehen unter der SIL Open Font License, einige unter Apache. Nicht erlaubt ist, die Schrift selbst zu verkaufen.

Ist eine Serifenschrift oder eine serifenlose Schrift besser?

Beide lesen sich auf Papier gut, wenn Größe und Kontrast stimmen. Die Wahl hängt eher vom Charakter deines Lokals ab: Serifenschriften wirken meist klassischer, serifenlose zeitgemäßer.